In der Polit-Show „Konfrontation“ will der Journalist Markus Feldenkirchen Politiker dadurch zum Reden bringen, dass er seinem Gast Filmaufnahmen aus dessen jüngsten Auftritten vorführt. Was dieses Format zu leisten vermag und wo seine Grenzen sind, war in der Sendung mit dem CDU-Politiker Philipp Amthor mit Händen zu greifen, weil sich der kecke Bundestagsabgeordnete einmal mehr als Meister der medialen Selbstinszenierung erwies.
Das Format „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft…“ (in der ARD-Mediathek) ist eine Mischung aus Reportage und Talkshow, die jeweils einer Politikerin oder einem Politiker gilt. Der Journalist Markus Feldenkirchen beobachtet seit 2020 den jeweiligen Protagonisten bei der Arbeit und zeigt den dann in sechs Teile zerlegten Film dem Beobachteten in einem Fernsehstudio. Zwischen den Filmteilen, die sie gemeinsam anschauen, stellt er Fragen, die sich auf das Dargestellte, aber auch auf anderes beziehen können. Als spielerisches Element fungiert ein Signal-Buzzer, mit dem der Porträtierte den Film anhalten kann, um unmittelbar auf das, was gezeigt oder gesagt wurde, reagieren zu können. Die Sendung dauert knapp eine Stunde und erreicht damit die Durchschnittslänge vieler Talkshows, die den späten Abend bei ARD und ZDF füllen.
Am 20. April 2026 widmete sich Feldenkirchen dem CDU-Bundestagsabgeordneten und parlamentarischen Staatssekretär Philipp Amthor, der als junger Parlamentarier schnell die Karriereleiter in der Bundespolitik erklomm. Auch als Medienfigur hat es Amthor zu mittlerer Popularität gebracht, etwa in der Satire-Sendung „Heute-Show“, wo er regelmäßig auftaucht. Feldenkirchen nutzte dies gleich zu Beginn seiner Sendung zur Vorstellung des „wohl bekanntesten CDU-Politikers nach Friedrich Merz“, der für die einen „Kult-Politiker“, für die anderen eine „Witzfigur“ sei. Damit sollte wohl eine gewisse Fallhöhe etabliert werden, denn der Reporter wollte auch auf einen „Korruptionsskandal“ zu sprechen kommen, der 2020 fast die Karriere von Amthor beendet hätte.
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Feldenkirchen beobachtete den Politiker beim CDU-Parteitag im Februar, im baden-württembergischen Landtagswahlkampf im März, in seinem Ministerbüro in Berlin, bei einer Mitgliederversammlung seiner Partei in Schwerin, bei einem Außentermin seines Ministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung in Schleswig-Holstein und in einer Berliner Buchhandlung, die er mit seiner Lebensgefährtin aufsuchte. In all diesen Filmminuten erlebte man einen Politiker, der sich wie kaum ein anderer der Anwesenheit der Kameras bewusst ist, und für die er sich als dauerlächelnder Sympathieträger inszeniert.
Einmal sieht man ihn beim Parteitag, wie er freundlich mit jemandem ein Gespräch führt, während seine Augen schon Friedrich Merz entdeckt haben, der gerade den Saal betritt. Wie Amthor das Gespräch noch kurz zu Ende führt, um dann vor den Kameras den Kanzler mit Handschlag zu begrüßen, zeigt seinen Instinkt für das richtige Bild zur richtigen Zeit. Feldenkirchen erwähnt in seinem Kommentar, dass Amthor den Kanzler an diesem Tag schon dreimal die Hand geschüttelt habe. Was wie eine alltägliche Begrüßung aussieht, ist also die Inszenierung einer Nähe zu Friedrich Merz, die für beide förderlich ist. Merz zeigt, dass er in Amthor einen treuen Vasallen hat, und Amthor, dass der Kanzler und Parteivorsitzende ihm wohlgewogen ist.
Worthülsen statt Einsichten
Ein solcher Erkenntnisgewinn ist in „Konfrontation…“ aber die Ausnahme. Denn Feldenkirchens Kommentare ergänzen nur selten die Bilder, sondern übersprechen sie permanent. Es ist, als ob der Print-Journalist den Zuschauerinnen und Zuschauern keine eigene Wahrnehmung der Reportagebilder zutraut. Alles wird von ihm gleich in Schlagworte gefasst. So bezeichnet er Amthor im Laufe der Sendung als „Edel-Claqueur“, der auf dem Parteitag wie eine Art Einpeitscher wirke, als „konservativen Pop-Star“, als „Selfie-König“, als eine „Marke“ im Politikbetrieb, als „kleinen Schlaumeier“ und als „Animateur“, der auch „Wetten, dass..?“ oder „Verstehen Sie Spaß?“ moderieren könnte.
Dieser Aufwand an pointierten Charakterisierungen soll vermutlich darüber hinwegtäuschen, dass Feldenkirchen dem Politiker nicht sonderlich nahekam. Einmal räumt Feldkirchen ein, dass er keine private Seite an Amthor erkennen könne. Über seine Kindheit und Jugend in Mecklenburg-Vorpommern schweigt sich der Politiker weitgehend aus. Feldenkirchen deutet lediglich an, dass die Politik Amthor die Chance eines sozialen Aufstiegs bot, die er resolut und energisch nützte. Geradezu hilflos konstatierte der Journalist, dass der Politiker wohl nur eine Leidenschaft kenne, nämlich die Politik.
So blieb Feldenkirchen nichts anderes übrig, als die Selbstinszenierungen von Philipp Amthor in vielen Augenblicken in den Mittelpunkt zu rücken und ihn als reine Medienfigur zu reproduzieren, der es gelang, selbst die Witze über und gegen ihn, die die „Heute-Show“ regelmäßig reißt, zu einer Art Warenzeichen umzumünzen. Auf die Dauer ist das aber so ermüdend wie wenig erkenntnisträchtig. Selbst in dem Moment, als Feldenkirchen ihn während des Studiogesprächs auf den „Korruptionsskandal“ ansprach, wahrte Amthor das Gesicht des kecken jungen Mannes, der nun auf Nachdenklichkeit umschaltete. In einer der seltenen Raum-Totalen des Studios konnte man sehen, dass Amthor nervös wurde, denn er wippte auf einmal mit den Füßen. Den damaligen Fall – Amthor hatte als Bundestagsabgeordneter beim befreundeten Wirtschaftsminister ein gutes Wort für eine Firma eingelegt, die ihn später mit Aktien-Obligationen und einem Teilzeitjob entlohnte – wischte der CDU-Politiker mit dem klaren Bekenntnis beiseite, dass das ein Fehler gewesen sei.
Zwei Medienfiguren
Wie clever Amthor mit den Medien zu spielen versteht, merkte man nicht nur daran, dass er den Buzzer nur ein einziges Mal und erst knapp vor Ende der Sendung nutzte, sondern auch daran, wie geschickt er Feldenkirchens Eitelkeit ironisierte. Er hatte wohl frühere Ausgaben der Sendung studiert und dabei bemerkt, dass sich der Journalist immer wieder selbst sehr gerne in Szene setzt, weshalb seine Sendung fast genauso viele Bilder von ihm wie von dem jeweiligen Politiker enthielt. Feldenkirchen hat sich auf diese Weise zu einer ähnlichen Marke des Journalismus entwickelt wie Amthor zu einer der Politik. Auf diese Weise sprachen zwei Medienfiguren miteinander, die damit von vornherein die Frage nicht klären konnten, welchen Einfluss das Mediale auf sie als Personen, als Journalist oder als Politiker, nimmt.























































