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Tarantino & "Kill Bill: The Whole Bloody Affair"

In den frühen 2000er-Jahren brachte Quentin Tarantino seine Hommage ans Eastern-Actionkino in zwei Teilen als “Kill Bill – Volume 1” und “Kill Bill – Volume 2” in die Kinos. Dass beide Teile nun in “Kill Bill – The Whole Bloody Affair” vereint erscheinen, erfüllt die ursprüngliche Vision des Regisseurs. Das legt nahe, die blutige Spur der ikonischen Rachegeschichte zu verfolgen, die bereits am Set von „Pulp Fiction“ ihren Ursprung nahm und nun in diesem Mammutwerk ihre Vollendung findet. Eine (teils subjektive) Reise in fünf Kapiteln.

Kapitel 1: Generation Quentin

1994 verkündet Clint Eastwood bei den Filmfestspielen in Cannes den Gewinner der „Goldenen Palme“: „Pulp Fiction. Unter tosendem Applaus betritt der Regisseur mit seinem Team die Bühne, um den Preis entgegenzunehmen. Doch unter den Jubel mischen sich aufgebrachte Schreie. Aus den wütenden Rufen ist zumindest ein Satz klar herauszuhören: „This is Shit!“ Quittiert wird er auf der Bühne mit einem Lachen und dann reckt der grinsende Quentin Tarantino seinen Mittelfinger empor, als wolle er sagen: „Du magst meinen Film nicht? Dann Fuck You! Deine Zeit ist vorbei, meine ist angebrochen!“

Mittlerweile ist Tarantino einer der größten Namen Hollywoods, doch damals war der Erfolg des jungen Filmemachers ein Beben, das die Filmwelt auf den Kopf stellte. In Cannes spricht er darüber, dass er nie mit Preisen rechnet, weil seine Filme polarisieren. Leute lieben sie oder hassen sie, und dass sich eine Jury auf sie einigen kann, konnte er sich bisher nicht vorstellen. „Pulp Fiction“, da hat er recht, war umstritten. Ein Film, der sich stolz an dem schmutzigen Flair von Groschenromanen orientierte, der pervers, brutal, hemmungslos war. Es wurden Kopfschüsse ausgeteilt, Adrenalinspritzen ins Herz gejagt und mächtig geflucht. Aber es wurde auch über Cheeseburger geredet, es wurden Armbanduhren im Hintern versteckt und Tanzwettbewerbe gewonnen. Es war eine eigenartige Mischung, die sich wie eine perfekt getimte Filmrebellion anfühlte, die das Hollywood-Kino der 1990er-Jahre aufmischen wollte. Es erinnerte leise an das „New Hollywood“-Kino der 1960er-Jahre, das ebenfalls Grenzen überschritt und Kontroversen auslöste. Es warf die Frage auf, wo die Grenze zwischen Kunstfilmen, Popcornkino und B-Movies verlief. Wie damals spürte man 1994 in Cannes, dass eine neue Generation von Filmschaffenden das Bedürfnis hatte, eigene Geschichten zu erzählen, die nicht ins eingerostete Studiosystem passen. Ihr Traum vom Kino war ein postmoderner Pastiche, voller Hommagen, Querverweise und Inspirationen, die sich zu neuen Gesamtkunstwerken verschlangen.

Der große Durchbruch: "Pulp Fiction"
Der große Durchbruch: “Pulp Fiction” (© Imago/Everett Collection)
 

Dass ausgerechnet jemand wie Quentin Tarantino Wegbereiter für diese neue Strömung war, scheint ebenso unwirklich wie unvermeidlich. Hier stand weder ein ausgebildeter Regisseur noch jemand, der auf Filmsets aufgewachsen ist. Der Mann war einfach ein übereifriger Filmfan, der nicht aufgab, ehe er in einem Atemzug mit seinen unzähligen Idolen genannt wurde. Ein Kind, das in B-Movie-Kinos großgeworden ist und das Studium abbrach, um in einer Videothek zu jobben. Ein etwas verschrobener Typ, der in seiner Freizeit Drehbücher schrieb, die in weiten Teilen wie Fanfiction wirkten, inspiriert von der schieren Menge an Filmen, die er im Kino, im Fernsehen oder als raubkopierte Importe verschlang. Während „New Hollywood“ die erste Generation Filmemacher war, die im Kino aufwuchs und von Filmhochschulen lernte, war Tarantinos Generation die erste, die in Videotheken aufwuchs, ihre Lieblingsfilme so oft schaute, bis das Band ausgeleiert war, und jeden Dialog mitsprechen konnte.

Tarantinos Botschaft war simpel: Macht doch einfach, was ihr wollt! Kritzelt euer wildes Drehbuch in den Kaffeepausen zusammen, zitiert eure Lieblingsfilme, castet eure Idole, lasst euch nicht in eure Vision reinreden – dann liegt euch die Welt zu Füßen! Wem dieses Credo zu stillos oder zu pubertär war, gehörte zur alten Generation. Zu den Ewiggestrigen, Torwächtern des antiken Hollywoods, denen das Monokel aus dem Auge fliegt, sobald jemand auf der Leinwand etwas Eigenes, wie „Pulp Fiction“, probiert. Euch galt Tarantinos Mittelfinger.

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Damals, auf der Bühne von Cannes, fühlte es sich wie eine Zeitenwende an. Für die kommenden Jahre wollte fast jeder Film sein wie „Pulp Fiction“ und jeder Regisseur wie Quentin Tarantino. Doch Tarantino selbst wollte über sich hinauswachsen. Gemeinsam mit seiner Hauptdarstellerin Uma Thurman hatte er in Drehpausen eine Figur entworfen, die sie „Die Braut“ nannten. Ihnen schwebte eine epische Geschichte mit ihr vor, die sogar „Pulp Fiction“ in den Schatten stellte. Doch als der damals 31-jährige Regisseur begann, an dieser Idee zu arbeiten, ahnte er nicht, dass das Opus, das ihm im Kopf herumspukte, ganze 32 Jahre brauchen würde, um seiner ursprünglichen Vision gerecht zu werden.

Kapitel 2: „Weil es so viel SPASS macht!“

Das Problem, das dafür sorgte, dass „Kill Bill“ nicht Tarantinos nächstes Projekt wurde, war die enorme Laufzeit. „The Whole Bloody Affair“ schlägt mit 4 Stunden und 13 Minuten zu Buche. Damit lässt diese „Kill Bill“-Fassung Monumentalfilme wie „Ben Hur“ und „Lawrence von Arabien“ weit hinter sich, überflügelt Kurosawas „Die sieben Samurai“ und läuft länger als „Vom Winde verweht“. Selbst Peter Jackson hat es erst in den „Extended Versions“ fürs Heimkino gewagt, den „Herr der Ringe“-Filmen eine ähnliche Laufzeit zuzumuten. Einen über vier Stunden langen Film regulär in die Kinos zu bringen, ist für viele Lichtspielhäuser – damals wie heute – eine Zumutung. „Kill Bill“ hätte so viel einspielen müssen wie alle anderen Filme, die von ihm verdrängt wurden. Ein Wagnis, auf das sich niemand einlassen wollte. Der Kompromiss, dem Tarantino nur widerwillig zustimmte, war, den Film in zwei Hälften zu teilen und in aufeinanderfolgenden Jahren zu veröffentlichen.

Ikonisch: Uma Thurman als "Die Braut"
Ikonisch: Uma Thurman als “Die Braut” (© SudioCanal GmbH)
 

Kill Bill: 1“ wirkt wie ein Befreiungsschlag. Nachdem „Jackie Brown“, Tarantinos Liebesbrief an das Blaxploitation-Kino seiner Jugend, eher verhalten aufgenommen wurde, wendet er sich von seinen amerikanischen Filmeinflüssen ab und widmet sich einer anderen großen Leidenschaft: dem Eastern-Kino. Gefüttert aus der Zeit, in der er raubkopierte Kung-Fu-Filme ohne Untertitel schaute und Shaolin-Mönche sich durch Horden von Schurken kämpften. Die Liste an Inspirationen, die er dabei einfließen lässt, ist schier endlos: vom Rachethriller „Lady Snowblood“ über Bruce Lees „Game of Death“ bis zur Besetzung der Nebenrollen und der Zusammenarbeit mit den traditionsreichen „Shaw Brothers“-Studios. Es entsteht ein Referenz-Feuerwerk, das selbst hartgesottene Eastern-Freaks zum Staunen bringt.

Wirkten Tarantinos erste drei Filme, „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“, noch, als könnten sie im selben Gangsterfilm-Kosmos spielen, so fühlt sich der Rachefeldzug von „Kill Bill“ erfrischend anders an. Es ist Tarantinos erster waschechter Actionfilm. Und was für einer! Ausgestattet mit einem Budget, das höher ist als das seiner bisherigen Filme zusammengerechnet, bringt er umwerfend energiereiche und perfekt choreografierte Kampfszenen auf die Leinwand, die sogar seine Vorbilder in den Schatten stellen. Die Geschichte, die er darum strickt, ist schlank und zweckdienlich: Eine junge Frau wird an ihrem Hochzeitstag fast ermordet (Needle Drop: „Bang Bang!“) und macht sich auf, um ihre Killer zur Strecke zu bringen. Dabei ist ihr alter Boss und ehemaliger Liebhaber „Bill“ der fünfte und letzte Eintrag auf der Kill-List. Der Weg zu ihm ist gespickt mit Schwertkämpfen, Kung-Fu-Einlagen und jeder Menge Blut.

Klassische Eastern-Actioner wie "Lady Snowblood" (1973) inspirierten "Kill Bill"
Klassische Eastern-Actioner wie “Lady Snowblood” (1973) inspirierten “Kill Bill” (© Rapid Eye Movies)
 

Diese Blutfontänen sollten dann erneut für Kontroversen sorgen. Die wohl prominenteste Auseinandersetzung über den Einsatz von Gewalt in seinen Filmen stammt aus einem Interview, das die Filmkritikerin Jan Wahl mit Tarantino führte. Während Tarantino erklärt, dass „Kill Bill“ eine kathartische, feministische Machtfantasie ist, die junge Frauen und kleine Mädchen unterhalten und inspirieren kann, wirft Wahl ihm vor, dass sein Film Jugendliche zu Gewalttaten anstachelt. Wieder möchte Tarantino, zumindest verbal, den Mittelfinger zeigen. Doch dieses Mal ist kein verschmitztes Lächeln dabei, wie in Cannes, sondern Ärger und Irritation. Damals war er ein Neuling, der Spaß an der Konfrontation hatte, inzwischen hat er offensichtlich keine Lust mehr, sich immer wieder für seine stilistischen Entscheidungen zu rechtfertigen. Die Stimmung kocht hoch, bis sich beide gegenseitig niederbrüllen und Wahl die entscheidende Frage stellt: „WHY DOES IT HAVE TO BE SO VIOLENT?!“ Auf die Tarantino die einzig richtige Antwort gibt: „BECAUSE IT’S SO MUCH FUN, JAN! GET IT?!“ Dann fügt er zornig hinzu: „Maybe this film isn’t for you!“

Doch für die meisten Leute war Kill Bill: 1“ etwas. Die Materialschlacht voller Schwertkämpfe, Schusswechsel und abgetrennter Körperteile ist so energetisch, dass es kaum eine Atempause gibt, und gipfelt in einer über 20-minütigen Actionsequenz und einem spannungsgeladenen Zweikampf. Visuell ist der Film purer Bombast, angefangen von der melancholischen Anfangssequenz in Schwarz-weiß bis zur Farbexplosion im Showdown. Uma Thurman ist in Bestform und der Soundtrack ist voller stimmungsvoller Ohrwürmer. Sogar eine aufwändige Anime-Sequenz wird geboten – und macht „Kill Bill“ damit auch zu Tarantinos Animations-Debütfilm. Man könnte den Vorwurf einbringen, dass mehr Stil als Substanz geboten wird, aber die Wahrheit ist: In Tarantinos Filmwelt ist der Stil die Substanz. Denn bei „Kill Bill“ weiß der Kultregisseur genau, welche Art Film er machen will, und setzt ihn vollendet um. Es ist die glorifizierte Erinnerung eines Filmfreaks an das, was er in seiner Jugend auf ausgeleierten Videokassetten gesehen hat. Damals saß ein Teenager vor dem Fernseher und war überzeugt, dass die überdrehten Unterhaltungskino-Streifen aus Fernost die tollsten Filme der Welt waren. Dieser Junge ist jetzt erwachsen und kann mit Unmengen von Geld etwas inszenieren, was nicht der Realität dieser Filme gerecht wird, sondern seiner subjektiven Wahrnehmung. Er schafft es, dem „Kill Bill“-Publikum einen Einblick in genau diese Welt zu geben, es zum Staunen und Mitfiebern zu bringen, als wären sie wieder Teenager, die zum ersten Mal einen Film schauen. Er bietet ihnen etwas, das trotz all seiner Absurdität wie das größte Kinoerlebnis überhaupt wirkt. Wer den Spaß daran nicht erkennt, wird, wie Jan Wahl, diesen Film nie verstehen.

Quentin Tarantino am "Kill Bill"-Set
Quentin Tarantino am “Kill Bill”-Set (© SudioCanal GmbH)
 

Mit „Kill Bill“ schien Tarantino wieder zur Höchstform aufgelaufen zu sein und ein clever inszenierter Cliffhanger erinnert daran, dass die Reise noch nicht zu Ende ist. Es stehen noch drei Namen auf der Todesliste und das Publikum hat Blutdurst.

Kapitel 3: Was bisher geschah …

Versuchen wir, diesem Text etwas mehr Tarantino-Flair zu verleihen: Ein Sprung zurück an den Anfang und der überraschende Wechsel auf einen unzuverlässigen Ich-Erzähler mit Voice-over:

Erinnern Sie sich, als es im ersten Absatz darum ging, wie „Pulp Fiction“ die Welt aus den Angeln hob? Ich war nicht Teil dieser Welt. Während all meine Freunde das schwarz-weiße Poster von Quentin, der sich spielerisch eine Waffe an den Kopf hält, an der Wand hatten und seine Dialoge zitierten, verdrehte ich die Augen. Gespräche über „Like a Virgin“ und Fußmassagen wirkten für mich nicht cool und hip, sondern gewollt und selbstherrlich. Ich verstand die Einzelteile. Die Ironie der Situation, die Banalität des Dialogs, die Präzision der Inszenierung, doch nichts davon brachte mich zum Schmunzeln, zum Nachdenken oder zum Staunen, sondern es langweilte mich. Mit anderen Worten: Ich war die Jan unserer Gruppe. Die Person, für die Tarantinos Filme nicht gemacht sind. Ich war kein Mitglied der neuen, revolutionären Filmbewegung, sondern wartete darauf, dass dieser Trend, wie ein nerviger Sommerhit, vorüberzog.

Inzwischen hat sich meine Meinung geändert. „Pulp Fiction“ und auch „Reservoir Dogs“ sind mittlerweile Filme, die ich schätze und genieße. Doch als filmbegeisterter Teenager dermaßen „out“ zu sein, ist eine frustrierende Erfahrung. Dementsprechend groß war meine Erleichterung, als mit „Kill Bill“ dieser Bann gebrochen wurde. Endlich ein Zugang zur Generation Quentin! Ein Film, der bei mir klickt und mir Spaß macht, ein echtes Highlight. Die Wartezeit auf den zweiten Teil konnte nicht schnell genug verstreichen, denn meine Erwartungen an das furiose Finale waren schwindelerregend hoch … und wurden nicht im Geringsten erfüllt.

So schnell ich den Tarantino-Fanclub betrat, so fluchtartig verließ ich ihn wieder. „Kill Bill: 2“ war nicht der schlechteste Film, den ich je im Kino gesehen habe, aber eine der größten Enttäuschungen meines Filmlebens. Den ersten Teil habe ich seit seiner Veröffentlichung häufig und gerne geschaut – den zweiten seit 22 Jahren nicht mehr.

Kapitel 4: Zwei

Wenn „Kill Bill 1“ Tarantinos erster reinrassiger Actionfilm war, ist „Kill Bill 2“ vielleicht sein erstes echtes Drama. Von der manischen Energie des ersten Teils sind nur leise Echos übrig. Ein einziges Mal darf die Braut Schwerter mit ihrer Rivalin Elle Driver (Daryl Hannah) kreuzen und erinnert in dieser Szene an den Adrenalinrausch des ersten Teils. Doch davor und danach geht es wesentlich gemächlicher zu. Bereits das Eröffnungskapitel macht diesen Kontrast klar: Während der erste Teil mit einer kurzen und schockierenden Hinrichtung beginnt, beginnt der zweite mit der Vorgeschichte dieser Hinrichtung – und jeder Menge Dialog. Eine Hochzeit wird vorbereitet samt Diskussionen mit Freunden und Familien. Ein mild lächelnder Bill taucht auf, um sich lange mit der Braut, die eigentlich Beatrix heißt, zu unterhalten. Wenn es zum Blutvergießen kommt, wird weggeschnitten. Hier geht es nicht darum, wie sich die Figuren ermorden, sondern darum, was sie zu sagen haben. Das Publikum soll über Beatrix und ihr Leben nachdenken, aber noch mehr über Bill. Lange Sequenzen zeigen den zermürbenden Arbeitsalltag von Bills Bruder Budd (Michael Madsen). In Rückblenden fährt Bill mit Beatrix zu seinem alten Kung-Fu-Meister, und Bills früherer Ziehvater darf lange über ihn lamentieren. Statt der enormen Actionsequenz, die den ersten Teil abschloss, ist das letzte Kapitel des zweiten Teils („Final Chapter: Bill“) ein knapp halbstündiges Gespräch zwischen Beatrix und Bill.

David Carradine & Uma Thurman
David Carradine & Uma Thurman (© StudioCanal)
 

Der dramatische Kniff, der das alles rechtfertigen soll, ist, dass Beatrix mit ihrer für tot gehaltenen Tochter vereint wird und darum mit Baby-Daddy Bill emotional ins Reine kommen muss. Schließlich war der Kindsverlust der treibendste Grund, um sich bis zu Bill vorzuarbeiten und ihn leiden zu lassen. Das Genre des Revenge-Thrillers wird angenehm auf den Kopf gestellt, denn die Logik des ersten Teils hätte diktiert, dass eine Frau, die alles verloren hat, sich am Ende, wenn der Blutzoll eingetrieben ist, wahrscheinlich selbst zerstören wird. Der zweite Teil zeigt ihr nun, dass ihr weder das Kind noch das Leben genommen wurde. Die Grundlage für ihre göttliche Vergeltung wird unter ihren Füßen weggezogen, und sie stellt sich die Frage, ob nicht doch ein glückliches Familienleben möglich wäre. Kill-List versus Liebesnest.

Das pulpige Racheepos auf halber Strecke zum Charakterdrama mit einem Hauch griechischer Tragödie umzudeuten, klingt zunächst unheimlich reizvoll. Doch dieser Bruch scheint einige Wahrheiten des vorigen Films zu untergraben. Vor allem Tarantinos Idee, Uma Thurmans Figur als Role-Model für junge, wütende Frauen zu stilisieren, scheint nicht mehr relevant zu sein. „Die Braut“ war ein geradezu unaufhaltsamer Rachengel, aber sobald sie sich in „Beatrix“ verwandelt, wird sie zum verwundbaren Menschen. Die starke Frau aus dem ersten Teil, die ohne weiteres dutzende Schwertkämpfer zerstückelt hat, wird ohne Probleme vom bulligen Texaner Budd niedergeschossen, um dann einige Szenen eingesperrt in einem Sarg zuzubringen. Dort erinnert sie sich an die Lehren ihres Kung-Fu-Meisters Pai Mei, der sie ebenfalls permanent herabwürdigt und malträtiert. Nur gegen die letzte Frau auf ihrer Liste darf Beatrix sich in einem Zweikampf beweisen. Dann geht es zurück zu Bill, der sich im finalen Akt zum ungekrönten König der Gaslighter und Mansplainer aufschwingt.

In Teil 2 wird Raum geschaffen für Erinnerungs-Rückblenden ( Gordon Liu, Uma Thurman
In Teil 2 wird Raum geschaffen für Erinnerungs-Rückblenden (© StudioCanal)
 

Am Ende schimmert noch die progressive Botschaft durch, denn Beatrix ist eine bessere, stärkere, klügere und vor allem emotional reifere Person als all diese negativen Männerfiguren, gegen die sie sich beweisen musste. Doch auf dem Weg zu dieser Erlösung räumt Tarantino den unbequemen Kerlen derart viel Raum ein, dass Beatrix teilweise zur Nebenfigur in ihrem eigenen Film verkommt. Insbesondere die letzte Konfrontation mit Bill ist in dieser Hinsicht zum Haare raufen. Der ältere Herr setzt seine junge „Geliebte“ unter Drogen und beginnt, über Leben, Liebe und Superhelden zu referieren, ohne dass sie etwas Relevantes dazu zu sagen hätte. Der Mann, der ihr vor einigen Jahren in den Kopf geschossen hat, bekommt Bühne und Rampenlicht, um seinem Opfer klarzumachen, dass sie selbst schuld an der ganzen Situation ist. Weil sie „sein“ Kind vor ihm in Sicherheit bringen wollte. Am Ende bekommt er von Beatrix zwar den Todesstoß, den er verdient, doch dass bis dahin fast eine halbe Stunde ernsthaft die Frage im Raum steht, ob sie sich mit ausgerechnet diesem Menschen eine gemeinsame, glückliche Zukunft vorstellen kann, wirkt fast zynisch. Sogar Bills Abtritt wird noch ehrenvoll und pathetisch inszeniert. Aber immerhin kann Beatrix jetzt, da der Mann aus ihrem Leben verschwunden ist, aufhören, eine Kämpferin zu sein und, wie es der Abspann beschreibt, zur „Mommy“ werden – und die jungen Mädchen, die sich nach dem ersten Teil noch ermächtigt fühlten, sitzen desillusioniert im Publikum.

Der zweite Teil ist kein schlechter Film und wahrscheinlich sogar der gewagtere der beiden. Doch er spielt nicht Tarantinos Stärken aus. „Kill Bill 1“ wollte ein rasanter Actionfilm sein, was ihm perfekt gelungen ist. „Kill Bill 2“ will zusätzlich ein dramatisches Figurenporträt sein, doch je länger man darüber nachdenkt, desto mehr beginnt es zu wanken.

Doch „The Whole Bloody Affair“ verspricht, die ultimative „Kill Bill“-Version zu werden, die beide Hälften endlich zu einem überwältigenden Ganzen zusammenfügt. Eine Vision, die nicht nur größer, sondern auch besser ist als ihre Einzelteile. Tarantinos letzte, offene Rechnung, die er nun endlich begleichen kann.

Kapitel 5: Bang! Bang! The Whole Bloody Affair!

Es ist eine spannende Erfahrung für mich, im Kino Platz zu nehmen, um „The Whole Bloody Affair“ zu schauen. Die Zerreißprobe, ob der zweite Teil nach all den Jahren, in seiner vollendeten Form, ebenso in meiner Gunst steigen kann wie andere Tarantino-Filme.

Nachdem die einschüchternde Laufzeit durchgestanden ist, wird klar: Es hat sich seit damals wenig verändert. Im zweiten Teil wurde lediglich der Eröffnungsmonolog herausgeschnitten, um die nun unnötig gewordene Rekapitulation des ersten Teils einzusparen. Aus einem ähnlichen Grund wurde auch der Endmonolog des ersten Teils eingekürzt und der früher so wichtige Cliffhanger, über das Schicksal von Beatrix’ Tochter, entfernt. Die größten Veränderungen sind, dass sowohl die Anime-Rückblende in O-Ren Ishiis Jugend als auch die Kampfszene „House of Blue Leaves“ verlängert wurden. Kleine Ergänzungen, die die zwei ohnehin schon meisterhaften Sequenzen weder drastisch verbessern noch verschlechtern. Am auffälligsten ist die Tatsache, dass der Film in seinem Showdown nicht mehr in den Schwarz-weiß-Look wechselt. Angeblich wurde dieser Kunstgriff damals gewählt, um die Zensurbehörde milde zu stimmen, aber über die Jahre hat er sich so organisch angefühlt, dass seine Abwesenheit bedauerlich ist.

Ebenso bedauerlich ist die Entscheidung, die Titelkarte mit dem „Star-Trek“-Zitat zu entfernen, die dem Film von der ersten Sekunde an ein gewisses ironisches Augenzwinkern verlieh. An dessen Stelle steht nun die gänzlich seriöse Widmung an den japanischen Regisseur Kinji Fukasaku. Natürlich wurde bei der neuen Länge auch eine Unterbrechung eingefügt, die sich genau dort befindet, wo die ursprünglichen Teile auch getrennt wären. Es entsteht ein überlanger Film, der fast all seine Adrenalinschübe vor der Pause ausspielt, um danach zusehends langsamer zu werden.

Mit anderen Worten: Bis auf kleine Abwandlungen fühlt sich die neue Version an, als würde man ein Double-Feature schauen. Genau so, wie es die Fans schon gemacht haben, seit die Filme im Heimkino veröffentlicht wurden. Das Seherlebnis ist erschreckend identisch und macht die Wahl der Schnittfassung, im Gegensatz zu Director’s Cuts wie „Apocalypse Now“, „Herr der Ringe“ oder „Blade Runner“, nicht zur Glaubensfrage. Die einzige Entscheidung, die getroffen werden muss, ist: Will man beide Teile direkt hintereinander sehen und wie lang soll die Pause dazwischen sein?

Der neue Zwang, „Kill Bill“ als ein großes Werk anzusehen, hat allerdings einen psychologischen Effekt, der nicht zu unterschätzen ist. Das ungewöhnliche Zusammenspiel von Länge und Tempo legt im Kopf einige Schalter um, die bei der Sichtung als Einzelfilme unangetastet blieben. Früher habe ich zwei Filme geschaut, von denen ich einen wesentlich besser fand als den anderen. Nun schaue ich einen Film, dessen Beginn ich stärker finde als sein Finale. Meine Sinne stellen sich darauf ein, dass ihre Aufmerksamkeit auf eine ausgedehnte Zeitspanne verteilt werden muss statt auf zwei kleinere Schübe. Diese neue Erfahrung hat mich nicht völlig von meinen Vorbehalten gegenüber dem zweiten Teil kuriert, aber mir neue Blickwinkel und Zugänge eröffnet, die mir ansonsten verborgen geblieben wären.

Nachdem der extra lange Abspann über die Leinwand flirrt, hatte ich jedoch den Eindruck, dass ich endlich in Worte fassen kann, wofür „Kill Bill 1 & 2“ für mich stehen: Bei „Kill Bill 1“ habe ich das Gefühl, dass ich hier dem jungen Quentin begegne, der noch in einer Videothek arbeitet. Er führt das Publikum in die hinteren Ecken mit den importierten Filmen und erzählt mit leuchtenden Augen von seinen liebsten Eastern. Er schwärmt davon, warum man „Lady Snowblood“ schauen sollte, welcher sein liebster Bruce-Lee-Film ist und in welcher Reihenfolge man die besten Shaolin-Filme sehen muss. Bei „Kill Bill 2“ habe ich das Gefühl, einem reiferen Quentin zu begegnen, der ans große Kino denkt. Er darf nicht mehr enthusiastisch auf all seine skurrilen Filmlieben verweisen, sondern muss Verantwortung übernehmen. Die Verantwortung, jeden Handlungsstrang und jede Figur des ersten Teils zu einem Ende zu führen, das so befriedigend ist, dass es sich gelohnt haben muss, dafür zwei Mal ins Kino zu gehen. Er ist keine provokante Randerscheinung mehr, sondern ein echter, renommierter Regisseur, der ein Werk zu vollenden und einen Ruf zu verteidigen hat. Beide Quentins haben ihren Ursprung auf der Bühne von Cannes, und es ist bemerkenswert, dass sie am selben Film arbeiten konnten.

Persönlich mag ich den Videothek-Quentin lieber. Ich bewundere sein Ideenroulette, ich verstehe seinen blutigen „Fun“ und ich schätze seinen nerdigen Enthusiasmus. Meine Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Obwohl „The Whole Bloody Affair“ die beste Version von „Kill Bill“ ist, werde ich auch in den nächsten Jahren wieder nur den ersten Teil schauen. Denn es ist gerade seine ruppige, pubertäre, ungezügelte Art, die meinen inneren Teenager anspricht. Ein Film, der genau das ist, was er sein will, und nichts ist, was er nicht sein muss.

Trotzdem empfehle ich „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ geradezu vorbehaltlos. Ungeachtet all meiner persönlichen Vorbehalte und Präferenzen. Die Geschichte, die vor 32 Jahren erdacht, vor 23 Jahren verfilmt und jetzt endlich vollendet wurde, ist und bleibt ein herausragendes Kinospektakel. Für alle „Kill Bill“-Fans ist „The Whole Bloody Affair“ das Nonplusultra, auf das sie jahrelang gewartet haben, und Neulinge sollten den Kultstreifen in genau dieser Form zum ersten Mal erleben. Und dann vielleicht nie wieder. Denn wenn das Licht im Kinosaal nach einer gefühlten Ewigkeit wieder angeht, werden sich manche neu in Tarantinos Kino verliebt haben und andere werden es leidenschaftlich hassen. Wie der Regisseur selbst zugibt, spalten seine Filme. Doch die Gefahr, „Kill Bill“ nicht zu mögen und dadurch vielleicht kurzzeitig „out“ zu sein, sollte niemanden davon abhalten, sich die größte Leinwand der Stadt zu suchen und (am besten auf 70mm) mitzuerleben, wie Tarantinos ultimative Abrechnung aussieht. Egal, mit welchem Gefühl man den Saal verlässt, man wird sich an dieses Filmerlebnis noch lange erinnern.

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